Eigentlich sollte „Starlight The Next Generation“ (STNG) mein letztes Musical sein. Das war so perfekt gelungen, dass ich dachte, es wäre nicht mehr zu toppen.

Aber dann, der Schock: die Rechtsabteilung von Andrew Lloyd Webber schickte uns eine Unterlassungsaufforderung, da wir für unser Stück natürlich die Kostüme und die Rollennamen des Original „Starlight Express“ verwendeten. Das hat mich sehr getroffen und die Frage: „Wie sage ich das den anderen Hero City Rollers?“ bereitete mir schlaflose Nächte. Ich versuchte zunächst mit Unterstützung eines Anwalts, dann durch Bittbriefe nach London eine Genehmigung für einige Aufführungen nur in Heroldsberg zu erhalten, leider jedoch vergeblich. Auch unsere Zusicherung, dass wir keine kommerzielle Konkurrenz sind und wir erzielte Überschüsse stets an karitative Einrichtungen spenden, half

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nichts. Man hat uns den Laienstatus nicht geglaubt und bei Weiterführung unseres Stückes mit Strafzahlungen gedroht.

Nachdem sich der erste Schreck gelegt hatte, beschloss ich, dass wir so nicht aufhören können und begann ein ganz neues Stück zu planen. Eines, das komplette meiner Fantasie entspringt, somit keine Interessen oder Rechte Anderer berührt und das ebenfalls rasant auf Rollschuhen darzustellen ist. Viele Möglichkeiten gab es da nicht. Ich erinnerte mich, dass ich ein paar Jahre zuvor spaßhaft  zu meiner Komponistin gesagt hatte, ob wir nicht als nächstes Musical „Ein toller Käfer“ machen sollten und entschied mich spontan, ein Musical mit dem Thema „Autorennen“ zu entwerfen. Glücklicherweise waren die Komponisten sofort bereit, wieder Lieder für ein neues Stück zu kreieren und auch die Choreographin sagte sofort zu.

So begann ich, eine Geschichte zu entwerfen, in der Menschen ins Auto steigen um Rennen zu fahren, aber der Vergleich zur Formel 1 war mir zu groß und erschien mir auch zu fantasielos. Und wiederum hatten unsere Komponisten bei einem unterhaltsamen Nachmittag die zündende Idee: Autoscooter, die gerne ihrem Schicksal entfliehen und mal bei einem richtigen Rennen mitfahren möchten.

Das war die Geburtsstunde vom „Race Cars – das größte Autorennen der Welt“

Die nächste schwierige Aufgabe war es dann, die Darsteller, die durch das Verbot von STNG alle sehr deprimiert waren, für dieses neue Stück zu begeistern. Alle hatten viel Kraft und Herzblut in unser Lieblingsmusical gesteckt und konnten sich nur schwer vorstellen, dass nochmal solch ein toller Wurf gelingt. Doch es gelang mir, sie zu überzeugen, dass die Hero City Rollers-Erfolgsgeschichte nach 25 Jahren nicht einfach mit einer Unterlassungsverfügung enden darf.

Damit begann ein sehr arbeitsintensives und nervenaufreibendes Jahr für mich. Neben der Geschichte, den Texten, den musikalischen Stilrichtungen, der Abläufe und Choreographien mussten ja auch alle Kostüme und deren Zubehör komplett neu und ohne Vorbilder entworfen und verwirklicht werden. Daneben gab es auch sehr aufwändige Beleuchtungspläne zu erstellen und zahllose weitere Detailaufgaben zu erledigen. Die einzelnen Bereiche zu koordinieren und dabei immer die Übersicht über das gesamte Projekt zu behalten, war eine Herkulesaufgabe, die meine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit in den letzten Monaten beanspruchte und manchmal auch die Grenzen der Belastbarkeit erreichte.

Möglich war das alles nur durch die tatkräftige Zusammenarbeit der ganzen Hero City Rollers-Familie und zahlreicher Freunde, die in verschiedenen Arbeitsgruppen unzählige Arbeitsstunden leisteten.

 

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Jose ‘Pepe’ Andreu

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